Echternach: Vorzeigeort der Geschichte
Von der Vorgeschichte mit ihren steinernen Pfeilspitzen bis ins Jahr 2000 mit seinen elektronischen Bauteilen aus Japan, ohne die biblischen Prunkhandschriften und die Tanzprozession vom Pfingstdienstag zu vergessen, das sind einige Facetten einer Ortschart, die im Winter 5000 Einwohner zählt und im Sommer, infolge des Fremdenverkehrs bis zu 15000 aufnimmt.
Das geschichtsträchtige Echternach bietet ein breites Spektrum menschlicher Zeugnisse. Von der Steinzeit bis zur Nylonmode, von religiösen Zeiten bis in unsere etwas gottlosere Welt, vom Zeitalter der Gläubigen bis zu den Jahrhunderten der Müßigen, dem Zauber dieses Ortes gelingt es, die Zeichen der Geschichte in ein Ganzes einzubeziehen, die Erinnerung zu beleben und landschaftliches sowie bauliches Erbgut zu erhalten. Wie ein Freilichtmuseum in einem grünen Rahmen, halb Stadt, halb Marktflecken, so vermittelt Echternach seine Identität anhand vielfältiger Bilder: eine Römervilla nebst Mosaik, merowingische Überreste, eine romanische Basilika, gotische Bürgerhäuser, mittelalterliche Befestigungsanlagen, eine Einsiedelei im Felsen, ein Abteipalast in klassischem Gleichmaß mit Rocaillever zierungen, Fratzengesichter und mythologische Statuen, ein unwirklich anmutender fünfeckiger Pavillon im Rokokostil, Skulpturen in Sandstein
und Schmiedeeisen wie zu einer Melodie geronnen. Straßenpflaster aus einer anderen Epoche, ein französischer Garten aus dem 20. Jahrhundert, provinziell wirkende Umfassungsmauern, Abhänge mit Obstgärten bepflanzt, ein schrilles Glockenspiel und ergreifender Bourdonklang, an Hängen grasende Schafe und, seit dem Wiederaufbau nach den Schäden der Ardennenoffensive, Bauten in bereits postmodernem Gehabe. Das ehemalige Benediktinerkloster, gegründet im Jahr 698 vom angelsächsischen Mönch Willibrord aus Irland, der Wiege des christlichen Abendlands im Kontakt mit dem Orient, spielt Narziss. Es beherbergt heute eine Sekundärschule, die über das Werden der Menschen nachdenkt, und ein Klostermuseum, das sich auf seine glanzvolle Vergangenheit besinnt.
Als "liebenswürdiges Städtchen, das der Tourismus hätte erfinden müssen, wenn es nicht schon vorher bestanden hätte", wie der luxemburgische Schriftsteller Marcel Noppeney sich ausdrückt, versteht Echternach es vortrefflich. Erlebtes in Szene zu setzen.

